Die vier Türhüter am Eingang zur Freiheit III – Zufriedenheit

Nach dem Yoga Vashishtha „The Supreme Yoga“ ist „contentment“ – Zufriedenheit einer der Hauptschlüssel zum Erlangen von umfassender Freiheit.

Denn wirkliche Zufriedenheit ist eine Qualität des Herzens, die weiß, dass unser Glück nicht im Besitzen oder Nehmen liegt, sondern im Geben. Viele Menschen erliegen dem „Hungergeist“ in ihnen selbst, wie Thich Nhat Hanh es einmal formuliert hat. Sie erliegen dem Haben-Wollen, das es auf allen möglichen Ebenen gibt: in menschlichen Beziehungen, im Verhältnis zu den materiellen Dingen dieser Welt oder auch im Verhältnis zu sich selbst, dass man etwas anderes sein will als man in Wirklichkeit ist. Haben-Wollen („the wanting mind“) ist die Hauptquelle von Unfreiheit. Man richtet seine Aufmerksamkeit auf etwas außerhalb seiner selbst und erwartet von etwas Äußerem das Glück, anstatt das liebevoll und dankbar zu betrachten, was ist. Und zu sehen, dass das Glück immer schon da ist – tief in uns, in unseren Herzen.

 

Zufriedenheit des Herzens schenkt Freiheit

Deshalb ist Zufriedenheit des Herzens eine hoch spirituelle Qualität, die nicht nur einem selbst, sondern auch den anderen Freiheit schenkt. Denn wer vom anderen nichts erwartet und will, eröffnet einen Raum für das, was ist. Erwartungen, Begierden, Wünsche sind wie eine Brille, mit denen wir – oft unbewusst – das Leben und unsere Beziehungen verzerrt wahrnehmen und färben und bei Nicht-Erfüllung des Haben-Wollens sind Frust, Wut oder Angst programmiert.

Die Zufriedenheit dagegen, die nichts erwartet, sondern von innen her glücklich ist, eröffnet tiefste Freude, die nicht weggenommen oder beschädigt werden kann, weil sie unsere ursprüngliche Natur repräsentiert, die in der Mitte der Brust, im Herzen wohnt.

 

Dankbarkeit als Weg zur Zufriedenheit

Wie findet man diese selige Zufriedenheit des Herzens? Mein Lehrer, Chris Barrington, sagt, dass Dankbarkeit der Weg zu dieser Zufriedenheit ist und auch zu dem, was man hochtrabend „Erleuchtung“ nennt. Denn Dankbarkeit richtet den Blick nie auf das, was noch nicht da ist oder was fehlt, sondern immer auf das, was – wie eine Gnade – schon vorhanden ist. Und wer von uns könnte nicht dankbar sein für jeden Moment, der ihm / ihr geschenkt wird. Es ist nicht selbstverständlich, dass wir gehen können, uns bewegen können, dass wir atmen können, dass wir denken, arbeiten können, dass wir Freundinnen und Freunde haben, Partner/innen, Kinder, Eltern, Hund oder Katze.

Die Dankbarkeit sieht, dass nichts in unserem Leben selbstverständlich ist, und dass man entzückt sein darf über alles, was ist. Dass wir Zeit haben und Zeit von anderen Menschen geschenkt bekommen, ist so unendlich kostbar. Dass wir Menschen an unserer Seite haben, die uns mögen und die uns erlauben, sie zu mögen, ist so kostbar. Dass wir Menschen haben, die uns mit ihrer Weisheit die Tiefe des Lebens näherbringen, ist so kostbar. Dass die „Mutter Erde“, von der wir genommen sind, uns trägt und hält, ist so unendlich kostbar und dankenswert. Dass die Sonne scheint und uns und alles auf der Erde zum Blühen bringt, ist so unendlich kostbar.

 

Yoga ist eine Wissenschaft der Dankbarkeit

Am Ende hat die Dankbarkeit sogar die Kraft, die traumatischen Erfahrungen und Schwierigkeiten unseres Lebens zu verwandeln. Denn wer in der Dankbarkeit des Herzens verharrt, erkennt über kurz oder lang, warum dieses oder jenes geschehen musste, erkennt über kurz oder lang den Sinn von allem, was ist und geschieht. Dankbarkeit sieht: „everything is perfect“ – ich weiß, ein gewagter Satz, den man nie rational verstehen kann. Sondern nur aus mystischer Perspektive, die das geniale Mosaik des Universums sieht und erkennt, wie alles letztlich zusammenpasst.

Im Grunde ist Yoga – tief verstanden – nichts anderes als eine Wissenschaft des Herzens und eine Wissenschaft der Dankbarkeit. Denn Dankbarkeit ist der Schlüssel, jenen seligen Raum der Freiheit aufzuschließen, der egal in welchen Umständen – immer in uns zugänglich ist. Deshalb sollte man so oft wie möglich an jedem Tag, der einem geschenkt wird, „danke“ sagen zu Menschen, Situationen, Orten und Ereignissen. Und das Wunderbare ist, dass dieses „danke“ nicht nur den Empfänger beschenkt, sondern auch den Geber, der mit jedem Danke freier und glücklicher, ja vielleicht sogar „erleuchteter“ wird zum Wohle aller.

Dr. Klaus Wolff

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Dr. Klaus Wolff - Heilpraktiker/ Psychotherapie

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