Die vier Türhüter am Eingang zur Freiheit I – „Selbst-Kontrolle“

Die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr sind so eine Art „Niemandsland“. Weihnachten ist vorbei, viele sind müde – auch aufgrund der schwachen Sonne dieser Tage -, und dann gleitet man leicht in eine Haltung des Abhängens und der Sinnlosigkeit ab. Um das „Niemandsland“ zu einem fruchtbaren Terrain zu machen, gibt es einen einfachen Weg: die Begleitung durch ein Buch oder eine Schrift, die Weisheit enthält und deren Lektüre einen nach oben zieht.

Deshalb möchte ich mit Euch in den nächsten Tagen einen Satz aus einem meiner Lieblingsbücher unter die Lupe nehmen in der Hoffnung, dass dieser Satz nicht nur für mich, sondern auch für Euch Gold wird und die Tage zwischen Weihnachten und Neujahr zu goldenen, besonderen, lebensverändernden Tagen macht. Der Satz ist aus dem „Yoga Vashishtha“, „The Supreme Yoga“ in der englischen Übersetzung durch Swami Venkatesananda. Er lautet:

„There are four gate-keepers at the entrance to the Realm of Freedom (moksha). They are self-control, spirit of enquiry, contentment and good company.“
„Es gibt vier Türhüter am Eingang zur Freiheit (moksha). Diese sind „Selbst-Kontrolle“, die richtige Neugier („Nachforschung“), Zufriedenheit und gute Gesellschaft.“

Mit anderen Worten: Wenn man diese vier genannten Haltungen praktiziert, eröffnet sich der Raum der Freiheit – kultiviert man das Gegenteil, bleibt man in Abhängigkeit und Traurigkeit gefangen.

 

„Selbst-Kontrolle“ ist der Fokus, den man sich für das eigene Leben setzt

Die erste Haltung, die Freiheit eröffnet, nennt Vashishtha „Selbst-Kontrolle“. Ich glaube, dass das Wort „Kontrolle“ missverständlich ist, weil es in den meisten Menschen unbewusst zwanghaften Assoziationen weckt so nach dem Motto „sich zusammenreißen“, „sich an die Kandarre nehmen“, „sich beschneiden“. All das ist – glaube ich – mit Selbst-Kontrolle nicht gemeint, sondern vielmehr, dass man die Zügel seines Geistes in die Hand nimmt, damit die Pferde der Kutsche (die Pferde des eigenen Lebens) nicht in jede beliebige Richtung laufen, sondern in die Richtung, die Glück verheißt. Viele Menschen lassen ihren Gedanken und Emotionen freien Lauf, ohne zu überlegen, wohin sie durch das – unbewusste – Laufenlassen von Angst, Wut, Negativität, Selbstmitleid, Traurigkeit, Rache etc. kommen.

Selbst-Kontrolle ist letztlich einfach wie ein Fokus, den ich mir setze, wie eine Vision – und indem ich z.B. auf Freude in jedem Moment fokussiere, laufen die Pferde meines Lebens in diese Richtung, auch an „interessanten“ Tagen. Indem ich auf das Licht der Sonne fokussiere, stärke ich Kraft und Positivität in mir. Indem ich auf die Schönheit der Erde fokussiere, begegnet mir bei jedem Spaziergang ein Wunder nach dem anderen …

Wie nimmt man die Zügel in die Hand? Ein Weg ist, am Abend vor dem Schlafengehen aufzuschreiben, was man am nächsten Tag (Positives) tut. Dann hat unser Unterbewusstsein über Nacht Zeit, an der Vision zu arbeiten und erleichtert uns am nächsten Tag den Fokus auf das, was Freude bringt.

 

Einen Fokus wählen, der das eigene Herz weitet

Welchen Fokus sollte man wählen? Am besten einen, bei dem das eigene Herz geweitet wird. Vögel können nur fliegen, wenn sie ihre Flügel ausbreiten. Auch wir können „fliegen“, frei sein, wenn wir es wagen, die Flügel unseres Herzens auszubreiten und unser Herz weit zu machen für die Bedürfnisse der Menschen um uns herum und der Welt. Es gibt kein Leben für sich allein, wir sind alle eins. Daher ist ein Tag, an dem man dem Glück und der Freude anderer dient und darauf allein den Fokus richtet, ein Tag totaler Freiheit und ein Tag, auf den man am Ende seines Lebens erfüllt zurückschauen kann. Was uns letztlich müde, unzufrieden und mürrisch macht, ist nur die Selbstsucht, die uns nur (Betonung liegt auf „nur“) der Befriedigung unser eigenen Bedürfnisse hinterherjagen lässt – anstatt wie jemand, der sich seines Reichtums und seiner Größe bewusst ist, zu teilen, zu teilen, zu teilen …

Selbst-Kontrolle, die zur Freiheit führt, ist also eine Art „Bewusstheit“, mit der man durch das eigene Leben geht mit der man die eigene Zeit zum Wohle aller nutzt. Freiheit ist in unserer Hand, wenn wir uns erlauben, einen Fokus im Leben zu haben.

Dr. Klaus Wolff

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Dr. Klaus Wolff - Heilpraktiker/ Psychotherapie

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